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Beim Jubiläumskonzert begeistern Sänger und Musiker durch unorthodoxe Hörerlebnisse - die in Erinnerung bleiben
Kammerchor sorgt für den Wurm im Ohr
MÜLLHEIM (Susanne Müller). Ja, so ist der Müllheimer Kammerchor: SIngt gerne seinen Freunden einen "Wurm ins Ohr". Besonders dann, wenn die Besucher, wie am Sonntag beim Jubiläumskonzert, gleich scharenweise strömten. Kein freies Plätzchen in der Martinskirche mehr und draußen vor der Türe immer noch Menschentrauben, die Einlass begehren. Außerdem laden sich die 40 Vokalisten und Chorleiter Albrecht Haaf gerne Gäste ein. So, wie den zu Recht mit Spannung erwarteten Saxophonvirtuosen Mike Schweizer. Für ihn ist mit dem gelungenen Konzertereignis zum 15-jährigen Bestehen des Kammerchors ein lang gehegter "Traum in Erfüllung gegangen."
Seit Jahren schon kennt das 53-jährige Freiburger Multitalent Chorleiter Albrecht Haaf, der ihm eigens für die Jubiläumskooperation spannende Neukompositionen "ins Instrument geschrieben" hat. Rechtzeitig zum Jubiläumsjahr griff Haaf, der Gründer des fest im örtlichen Kulturleben verankerten Chorgemeinschaft zur Feder, um das Repertoire um jazzige Arrangements zu bereichern. Heraus kam dabei eine ungewöhnliche, impulsive Klangmischung, die man unter dem Titel "Chor, Sax and more" in einem zweistündigen Konzertreigen präsentierte. Improvisationen aus Raum, Klang und Zeit. Äußerst gewagt, so manche Paraphrasierung. Hörerlebnisse mit klassischem Kanon, schwellendem Klangrausch, Witz, Pfiff und Fragmenten in sphärischer Entrückheit. Am schönsten da, wo Sänger und Begleitung in vollendeter Einheit verschmelzen (El grillo, ALl my trials, Trollmots vaggsang, Sonnengesang). Herausragende Solistin: Ingela Herweg (Sopran).
Ein Jazzmusiker und ein Kammerchor? Ihne Zweifel eine geniale Kombination. Vorausgesetzt: Musizierlust, Mut und Innovationsfreude. Daran mangelt es den Akteuren nicht. Nicht umsonst zählt Haaf die Interpretationsvielfalt, von Bach über die Beatles bis Brahms, zu den Stärken seines mittlerweile spendenfähigen Vereins. Choranwärter mit einer "sauberen, womöglich trainierten" Stimme finden in ihm einen leidenschafltichen und nicht minder disziplinierten Lehrmeister, dem der Kammerchor seine eindrucksvoll dargebotene Homogenität verdankt. Forciert studierte er seit Januar das Jubiläumsprogramm, das sowohl sakrale als auch weltliche Literatur umfasste, mit den Akteuren ein. Was spektakulär unter der Empore mit einem Marienlied begann und mit der Premiere einer Neukomposition des franziskanischen Sonnengesang zum Lobpreis der Schöpfung auf der Bühne seinen vielstimmigen Abschluss fand, bot neben klassischem Chorgesang ein unorthodoxes Klangspektrum, das Jubel und Beifall aus den Reihen bescherte.
Das lag nicht zuletzt an den Instrumentalisten Jörgen Welander (Jazz auf der Tuba), Jutta Haaf (Klavier und Harfe) sowei Albrecht Haaf am Piano und der Blockflöte. Der vierte im Bunde, kongenial, Drummer Tilo Wachter mit seinem Solo über "Die Geduld des Sonnenschirms". Das Finale ergreifend bis in die eingeforderten Zugaben hinein: Sessionstime, Rhythmus pur für den "Heimweg mit einem Wurm im Ohr." |
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