Der Kammerchor Müllheim mit "Fisches Nachtgesang" und anderen humorvollen Klängen in der Martinskirche
Durchaus vergnügliches Singspektakel
MÜLLHEIM (fl). Christian Morgenstern lieferte dem Kammerchor Müllheim das Motto für sein Konzert in der Martinskirche: "Fisches Nachtgesang". Damit war schon im Titel angedeutet, was der CHor, den Albrecht Haaf seit Jahren erfolgreich leitet, beabsichtigt: ein durchaus vergnügliches Singspektakel.
Zum Gelingen des Abends trugen noch andere bei: Helmut Lörscher (Klavier) und Bernd Heitzler (Kontrabass) musizierten begleitend und solistisch; Arnd Jungermanns Moderation erklärte so manches. Ein Novum im Konzertprogramm waren Matthias Schwoerers Live-Zeichnungen, die Heiteres, aber auch Nachdenkliches zu Papier brachten. Vergnügliche Töne brachte auch das Blockflötenensemble der Städtischen Musikschule unter der Leitung von Martina Müller-Kern zu Gehör. Last but not least gab es viel witzige Abwechslung durch die Gedichtrezitationen von Lothar Humburg. Alltägliches, Tierisches und Metaphysisches stand auf dem Programm; Christian Morgenstern, Robert Gernhardt, Heinz Erhardt, Eugen Roth und andere lieferten die humorvollen Textvorlagen für die Kompositionen von Paul Nitsche, Carsten Gerlitz, Heinz Kratochwil und anderer Komponisten; die meisten Vertonungen entstammen der virtuosen Feder von Albrecht Haaf.
So der "Natur-Blues" nach Robert Gernhardt, der dem Menschen in satirischer Form die Vergeblichkeit seiner schönsten Bemühungen vor Augen führt. Besonders die musikalische Umsetzung der poetisch-geistreichen Geniestreiche von Christian Morgenstern ist Haaf aufs Beste gelungen, allen voran "Fisches Nachtgesang": Blubb, blubb und Platsch für gemischtes Vokalensemble. Brilliant gesungen war auch das Liedchen "Die Made"; Haaf hat diese reizvolle Blödelei von Heinz Erhardt in ebenso anspruchsvolle wie lustig zu hörende Klänge verpackt.
... beim Finale saß dem Chor schon wieder der Schalk im Nacken. Robert Gernahrdts Apostelbriefe des Paulus an die Apatschen und andere Indianerstämme ließen schon wieder die Lachmuskeln zucken. Wie schrieb der Apostel gleich den Irokesen?"Euch schreib ich nicht, lernt erst mal lesen."
Bereits im April diesen Jahres feierte der Kammerchor die Premiere von "Chor, Sax and more" in der ausverkauften Martinskirche Müllheim. Nun kam das ambitionierte Programm unerwartet noch mal auf die Bühne. Im Zentrum von "Chor, Sac and more" steht die spannende Begegnung zwischen Kammerchor und Instrumentenspiel. Mike Schweizer am Saxophon, Tilo Wachter an Drums und Percussion, Jörgen Welander an Tuba und E-Bass, Jutta Haaf an der Harfe und Alrecht Haaf am Klavier entwerfen im Dialog mit den Sängern des Chors eine ungewöhnliche, aber fesselnde Klangmischung und begeistern das Publikum mit einem perfekten Zusammenspiel.
"Der Bogen ist weit gespannt von frühmittelalterlicher Musik bis zur Jazzsonate. Für den CHor habe ich beispielsweise ein Stück aus der Renaissance überarbeitet und mit poppigen und jazzigen Elementen gewürzt", sagt der Chorleiter Albrecht Haaf. Die Musik des Kammerchors basiert auf einem breiten Repertoire, das von Stücken aus dem Mittelalter über die Renaissance bis hin zu Jazz und Pop-Bearbeitungen reicht. "Crossover" nennt Haaf diesen Stilmix. Die Musik des Chors zeichnet sich besonders durch Eigenkompositionen und Arrangements des Chorleiters Albrecht Haaf aus, der den Laienchor 1990 gegründet hat. Mittlerweile zählt der Kammerchor Müllheim 40 aktive Mitglieder.
Haaf, der außerdem auch die Musikschule leitet und das populäre Stadtmusical Müllheim mitkomponiert hat, arbeitet bereits eifrig an seinem nächsten Projekt. Zur Weihnachtszeit führt der Kammerchor mit der Kantorei der ev. Kirche das berühmte Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach auf. |