Eindrucksvolle Demonstration chorischer Farbenpracht
Der Kammerchor Müllheim und das Valentin-Quartett lockte mit seinem Mendelssohn-Bartholdy-Festkonzert zahlreiche Musikfreunde in die Stadtkirche
MÜLLHEIM. Mit einem Festkonzert zu Ehren des vor zweihundert Jahren geborenen romantischen Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy lockte der Kammerchor Müllheim unter der Leitung von Albrecht Haaf so viele Musikfreunde in die Stadtkirche, dass die Plätze kaum ausreichten. Mit dem Chor musizierten ein großartiges regionales Orchester und das Valentin-Quartett. Als Solistin gab die aus Neuenburg stammende renommierte Sopranistin Claudia Kienzler eine brillante Vorstellung. Mit Beata Veres-Nonnenmacher an der großen Kirchenorgel war die musikalische Mendelssohn-Hommage komplett.
Mit dem Psalm "Jauchzet dem Herrn alle Welt" eröffnete der Kammerchor die Musikfolge: Eine eindrucksvolle Demonstration chorischer Farbenpracht und bester A-capella-Kultur, in welcher sowohl Intonation als auch dynamische Feinheiten akribisch aufeinander abgestimmt waren.
Lyrische und dramatische Kontraste bot die Gestaltung der Hymne "Hör mein Bitten"; für Solosopran, Chor und Orchester. Claudia Kienzlers klarer Sopran, dem es auch an Wärme nicht fehlte, sorgte für bewegende Momente.. Der anrührende Text wurde auch vom Chor ergreifend interpretiert und vom Orchester entsprechend subtil unterlegt.
Wunderbar harmonierten mit den chorischen Darbietungen die Vorträge der Orgelsonate f-moll op. 65 Nr. 1 und Nr. 2. Beate Veres-Nonnenmacher verstand es vorzüglich, der großen Kirchenorgel die herrlichsten Klangbilder zu entlocken, die dann von der luftigen Höhe der Empore wie himmlische Musik herabsanken. Wie ein Einbruch aus einer anderen Welt klang die Interpretation des Streichquartetts Nr. 1 Es-Dur op. 12 durch das Valentin-Quartett. Eine ansteckende Melancholie ging davon aus, welche in den irisierenden Tonfarben des Canzonetta-Satzes eine ästhetische Schönheit offenbarte, die beinahe antagonistisch zum übrigen Programm anmutete. Der letzte Satz war virtuos in Szene gesetzt. Donnernder Applaus zum Schluss des Konzertes.
Den Höhepunkt und Abschluss des Konzerts bildete die Darbietung der wunderbaren Psalmvertonung "Wie der Hirsch schreit" für Solosopran, Chor und Orchester. Mendelssohn komponierte dieses Werk - eines seiner eindrucksvollsten - im-Jahre 1837 in Freiburg im Breisgau. Es gibt kaum eine Musik, die ihrem Text mehr Gerechtigkeit widerfahren lässt als diese herrliche Komposition. Die Interpretation hatte etwas so Erhabenes, so Verzücktes, dass man es eigentlich mit den Worten der Mystik beschreiben müsste, in Allegorien von Verzweiflung und Trost, Trauer und Freude, Verzagtheit und Enthusiasmus.
Claudia Kienzler lief zur Hochform auf, entlockte ihrem Sopran lyrische und dramatische Nuancen von höchster Ausdruckskraft. Der Chor entfaltete eine sich steigernde Stimmgewalt, die im Finale zur einer hervorberstenden Dramatik anschwoll. Das Orchester sekundierte souverän. Chorleiter Albrecht Haaf steuerte das Interpretationsschiff sicher in den Hafen. Donnernder Applaus, den sich das Publikum bis zum Schluss aufheben musste, hallte im Kirchenschiff wider.
Bianca Flier
Badische Zeitung vom 9.12.2009
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