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  MÜLLHEIM. "Sagenhaft, bravourös, wundervoll" - in solchen Superlativen schwelgte das Publikum nach dem Konzert des Kammerchores in der Martinskirche. Die Instrumentalisten, die Percussionsgruppen um Tilo Wachter und die Solistin Judith Schmidt spielten eindringlich, anrührend und mitreißend. Geschichten "von Liebe und Tod" wollte Musikschul- und Kammerchorleiter Albrecht Haaf unter gleichnamigem Titel in diesem Konzert musikalisch erzählen. Und da das Konzert zu Ehren des Stadtjubiläums stattfand, lag es nahe, den aus unterschiedlichen Epochen und Stilrichtungen stammenden, als Crossover-Konzert inszenierten Geschichten einen Müllheimer Beitrag hinzuzufügen.

Haaf hatte bereits für das Stadtmusical 2004 die in Briefen historisch verbürgte Liebesgeschichte zwischen der Müllheimer Küfertochter Judith Löffler und einem französischen Herzog vertont. Und wie schon 2004 ist es Judith Schmidt, die mit betörend schönem, glasklarem Sopran die unerfüllte Liebe der Judith Löffler besingt, bevor sie mit Chor und allen Akteuren das sehnsuchtsvolle Lied "Es vergeht kein Stund in der Nacht" als krönenden Schlusspunkt gestaltet. Der Applaus will nicht enden. Doch das Konzert reiht weiter über zwei Stunden lang Höhepunkt an Höhepunkt.

Fulminant geriet schon der Auftakt. Zwei Uraufführungen, Kompositionen Albrecht Haafs, eröffnen das Konzert. Nach zwei Herbstgedichten von Trakel und Rilke entwirft der Chor stimmungsvolle Klanggemälde, mal mit lautmalerischen Feinheiten, mal mit imposanten vollen Klängen. Waren hier das Absterben der Natur und die Vergänglichkeit Thema, gründet die Melancholie im "Milonga in Re" von Astor Piazzolla in der romantischen Liebe. Hatten die Kompositionen von Haaf den Instrumentalisten, allen voran Mike Schweizer am Saxofon, Raum für Improvisationen gelassen, setzten die Brahms-Lieder wieder Judith Schmidt als Solistin in Szene. Anrührend intoniert sie das Flehen des Mädchens in Franz Schuberts "Der Tod und das Mädchen", während die Männer des Kammerchores nachdrücklich den Tod wiedergeben. Die nuancierten Interpretation der vier Streicher - Regine Busch und Gudrun Derung, Günter Wirminghaus und Michaela Bongartz- macht die Umarmung von Tod und Mädchen sinnfällig.

Neben klassischen Tönen, Musical-Melodien, Jazz-Improvisationen, Tango Nuevo oder der Filmmelodie aus "Eine Geschichte von Liebe und Tod" sind auch magisch-archaische Klänge zu vernehmen. Dafür sorgt Tilo Wachter mit seinen "Glöcknern" und seiner Percussiongruppe "Andromeda". In der Gemeinschaftsproduktion "Arabo" schließlich kulminiert der Crossover-Gedanke. Hier finden sich nicht nur Instrumente wie das Saxophon, die mittelalterliche Schalmei, der von Tilo Wachter gespielte Hang und die Tuba zu einer exotischen Besetzung zusammen, sondern vereinen sich auch arabisch anmutenden Klänge mit begeisternden Jazz-Improvisationen zu einem Stück, wie es die Martinskirche wohl noch nie gehört hat. Und genau diese Mischung machte aus dem Konzert des Kammerchores ein ganz besonderes, Akteure und Zuhörer gleichermaßen beglückendes Erlebnis.

Badische Zeitung, 12.11.2008

 
 

 

 
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Mai 2009