Startseite

Aktuell

Chor

Mitglieder

Leitung

Vorstand

Presse

Archiv

Repertoire

Impressum

Kontakt

     
  zurück  
 

auch schon etwas älter:

 
 

Spannende Thematik begeistert Zuhörer
"Wachet auf"-Motiv als Motto eines Konzerts in der Müllheimer Martinskirche unter der Gesamtleitung von Albrecht Haaf

MÜLLHEIM (fl). "Wachet auf ruft uns die Stimme" - dieser alte Choraltext stand als Motto über einem Konzert in der Martinskirche, das der Kammerchor Müllheim, die Freiburger Spielleyt und das Kammerorchester Markgräflerland unter der Gesamtleitung von Albrecht Haaf gaben.

Johann Sebastian Bachs Choral und Kantate zum 27. Sonntag nach Trinitatis bildeten das Alpha und Omega des Programms, das neben weiteren Vertonungen des "Wachet-auf" - Motivs eine Reihe von so genannten Wächter- und Tageliedern aus dem Mittelalter vorsah. Diese spannende Thematik, die sowohl geistliche als auch weltliche Aspekte umfasst, lockte zahlreiche Musikfreunde an, so dass kurz vor Konzertbeginn kaum noch ein Sitzplatz zu ergattern war.

Der erste Programmblock begann mit dem bekannten Bach-Choral und versetzte die Zuhörer sogleich in eine andächtig-feierliche Stimmung; im folgenden von Albrecht Haaf vertonten Wächterlied erklang eine Fanfare für Schalmei und Trompete, bevor der machtvolle Chor einsetzte. Der Text handelt von einem heimlichen Liebespaar, das vor der Morgendämmerung vom Horn des Turmwächters geweckt und an die Notwendigkeit der baldigen Trennung erinnert wird.

Interessant war der Vergleich mit der im Anschluss dargebotenen sakralen Version dieser Vorlage (Vertonung: Harald Genzmer), in der die Gläubigen ermahnt werden, das Kommen des Herrn nicht zu verschlafen. Von Walter Rein stammt der zauberhafte A-Cappella-Satz "Wach auf meins Herzens Schöne"; hier ist es der muntere Vogelgesang, der die Liebenden weckt.

Ein wunderschönes Duett boten Alex Zimber und Angela Spensberger bei dem ungarischen Volkslied "Wenn der Wächter auf die Gass'n geht". Die Solistinnen verstanden es exzellent, den schlichten und doch anmutigen Volksliedton zu treffen.

Die Freiburger Spielleyt, bekannt für ihre authentischen Interpretationen mittelalterlicher Musik, hatten mit den Wächter- und Tageliedern eine echte Schatztruhe aufgemacht. Die reizvolle Thematik des heimlichen Liebespaares, das vom Turmwächter wie von einem Schutzengel behütet und vor Entdeckung bewahrt wird, hat bis heute nichts von ihrem Zauber verloren.

Aus der Manessischen Handschrift stammen mehrere Lieder des Ritters von Wissenlo, die um 1200 entstanden sind. Marc Lewon, der Sänger und Lautenist der Freiburger Spielleyt, hat sie neu vertont, denn die Noten sind verloren gegangen. Er und Regina Kabis (Sopran) entführten mit ihren schönen Stimmen direkt in die Welt der tapferen Ritter und Hohen Frauen, die für eine Liebesnacht ihr Leben riskieren. Die wundervollen Klänge der alten Instrumente begleiteten den Gesang. Dazwischen erklangen instrumentale Tänze aus dem 13. und 14. Jahrhundert, temperamentvolle Estampies mit raffinierter Rhythmik.

Höhepunkt des Konzertes war die Aufführung der Bach-Kantate "Wachet auf, ruft uns die Stimme". Sie gehört wohl zum Schönsten, was Bach je geschrieben hat. Symbolisiert wird die Hochzeit des Bräutigams (Christus) mit der Braut (christliche Gemeinde). Regina Kabis warmer, graziöser Sopran und Ralfs Ernsts tiefensicherer Bass waren die perfekte Besetzung für diese wunderbare Festmusik. Souverän agierten auch der Müllheimer Kammerchor und das Kammerorchester Markgräflerland.

Überhaupt war das ganze Programm nicht nur professionell aufgezogen, sondern auch im Detail stimmig. Die vielen unterschiedlichen Chornuancen, die gute Intonation und der hervorragende Zusammenklang mit dem Orchester verdienen durchweg höchstes Lob. Neben der Bravour, mit der die technischen Anforderungen von allen Beteiligten bewältigt wurden, muss die spannende Thematik hervorgehoben werden. Mit dem Thema hatten Haaf und seine Ensembles genau den Nerv den Publikums getroffen. Das zeigte schließlich auch der euphorische Applaus.

 
  zurück  
     
     
Mai 2009