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Sprechgesang aus dem 16. Jahrhundert in Müllheim

Freiburger Spielleyt, Kammerchor Müllheim und Flötenklasse von Martina Müller-Kern in der Martinskirche Müllheim

Die Freiburger Spielleyt mit den Flötenschülern von Martina Müller-Kern den Müllheimer Kammerchor.

Foto: Jutta Schütz

Musik des Mittelalters und der Renaissance gewinnt immer mehr Freunde und sicherlich mit zu den besten Interpreten dieser frühen Musik gehören die Freiburger Spielleyt. Zusammen mit dem Kammerchor Müllheim unter Leitung von Albrecht Haaf und der Flötenklasse von Martina Müller-Kern gab das aus Rundfunk und Fernsehen bekannte Ensemble in der voll besetzten Martinskirche mit "Weihnacht der Spielleute" ein begeisterndes Konzert der Extraklasse.

Mit einer Auswahl von Liedern und Instrumentalstücken aus Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland, England und Finnland begaben sich Spielleute, Chor und Flötenschüler auf eine weihnachtliche Reise durch das alte Europa. Dabei hatten angesichts der historischen, teilweise von Bildern abgezeichneten und anschließend nachgebauten Instrumente wie Schlüsselfidel, Drehleier, Quinterne, Schalmei, Viola D'arco, gotische Harfe und Flöten sicherlich viele Zuhörer das typische Bild der an der Krippe wartenden Hirten vor dem geistigen Auge. Traditionell werden genau diese Instrumente seit Jahrhunderten mit Hirten in Zusammenhang gebracht.

Nach dem Einzug der Spielleyt Jutta Haaf, Regina Kabis, Bernd Maier, Marc Lewon, Murat Coskun und Albrecht Haaf in die Kirche und der rhythmischen "Septime estampie real" aus dem Frankreich des 13. Jahrhunderts gab es für das Publikum mit "Tau Garçon la durundena" und dem darin vorkommenden Schlagwerksolo, getrommelt von Murat Coskun, einen ersten Konzerthöhepunkt und auch den ersten begeisterten Spontanapplaus. Das bekanntere fröhliche altfranzösische Weihnachtslied "Il est né, le divin Enfant" gesungen vom glasklaren Sopran Regina Kabis in Begleitung von Marc Lewon und des Kammerchores überbrachte die Botschaft von der Geburt Jesus, gefolgt vom ruhigeren besinnlichen "Je me suis levé" aus dem 16. Jahrhundert. Gleich zwei gleich lautende lateinische Titel aus dem Spanien des 16. Jahrhunderts und aus dem Italien des 14. Jahrhunderts erzählten in "Verbum caro factum est" von der Armut des Christkindes.

Mit einer kleinen perfekt gespielten Tanzsuite stellten sich erstmalig die Flötenschüler auch als Solistenensemble vor. Sehr fröhlich dann Kammerchor und Begleitung mit "Ding, dong, merrily on high", eine englische Weise der Renaissance mit einem fast modernen englischen Text aus dem 19. Jahrhundert, der das Geläut der Engelsglocken im Himmel zum Thema hatte. Bernd Maier füllte den Kirchenraum mit Tönen des Dudelsacks zu einem Lied der italienischen Dudelsackspieler, bevor Regina Kabis den fast schon komischen Text zu einem englischen Weihnachtslied aus dem 14. Jahrhundert sang, in dem das Jesuskind seine Mutter um ein Wiegenlied bittet. Instrumental folgte Henry Purcells "Chaconne" mit Flötensolistinnen, Harfenistin Jutta Haaf an der Orgel und Albrecht Haaf an der Viola. Trommelsolo und rhythmisch unterlegter Sprechgesang, die zu einem mitreißendes Lied aus dem Finnland des 16. Jahrhunderts gehörten, veranlasste das Publikum zu Bravorufen.

Als "Spontanprogrammpunkt" spielten Flötenschülerinnen in Perfektion eine bekannte Melodie aus Angelico Corellis Weihnachtskonzert, bevor der großartige Kammerchor unter anderem mit "Maria durch den Dornwald ging" alte deutsche Weihnachtslieder interpretierte. Fröhlich und mitreißend ging das Konzert mit dem Lied der Zampognari, der italienischen Hirten, aus dem 17. Jahrhundert in großes Besetzung - Chor, Flötenschüler und Spielleute - zu Ende. Alle Künstler ernteten minutenlangen Applaus und Bravorufe und ließen sich zu einer Zugabe überreden.

 
 

 

 
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Mai 2009