Eine wahrhaft fulminante Show

Nachtstücke aus Romantik, Pop, Schlager und Jazz beim Doppel-Konzert des Kammerchors Müllheim und des Crystal-Silence-Quartetts. (veröffentlich in der Badischen Zeitung von Bianca Flier am Montag, den 06. Mai 2019)

MÜLLHEIM. Unter dem Motto "Oh schöne Nacht" gab der Kammerchor Müllheim gemeinsam mit dem Crystal-Silence-Quartett und einer großen Anzahl von Vokalsolisten und Instrumentalisten am Wochenende ein Doppel-Konzert in der Martinskirche. Das Programm bot Nachtstücke aus Romantik, Pop, Schlager und Jazz. Die Gesamtleitung hatte Albrecht Haaf. Das Publikum war in Scharen herbeigeströmt.


Mit dem indianischen Schamanensong "Evening Rise", begleitet von Flöte, Regenstab und geheimnisvollen Percussionklängen, bot der Chor einen nahezu mystischen Einstieg in das Thema "Nacht", das vor allem in der Epoche der Romantik die Komponisten faszinierte. So auch Johannes Brahms, dem die Darbietung von "Waldesnacht" und der Titelsong des Konzertes "Oh schöne Nacht" gewidmet waren. Der Kammerchor demonstrierte dabei a cappella und mit Klavierbegleitung perfekte Intonation, Dynamik und Interpretationskunst. Mit drei Walzern aus dem Op. 39, feinsinnig gespielt vom Vierhand-Duo Albrecht Haaf und Simone Sobanek, endete die kleine Brahms-Reihe.

Zwei Vertonungen von Albrecht Haaf aus Hermann Hesses Gedichtzyklus "So im Vorübergehen" mit den Titeln "Ninon" und "Beim Schlafengehen" bezauberten durch die Klangschönheit der Gestaltung. Der Chor, die Sopransolistin Gabi Behe und Jutta Haaf am Klavier erweckten die Lieder in all ihrer emotionalen und verträumten Schönheit zum Leben.

Danach stand Jazz mit dem Crystal-Silence-Quartett auf dem Programm. Das Ensemble, bestehend aus der Vokalsolistin Christine Deerley, Albrecht Haaf (Klavier), Jutta Haaf (Klavier & Percussion), und Jörgen Welander (E-Bass und Tuba) stellte sich zunächst mit dem Instrumentalstück "The Orchard" vor, einer besinnlich-melancholisch interpretierten Komposition des britischen Komponisten Pete Churchill. Als dann beim Chick-Corea-Song "Crystal Silence", nach dem das Quartett sich benannt hat, noch der Gesang dazukam und Gastmusiker Mike Schweizer seinem Saxophon magische Töne entlockte, war das Publikum endgültig elektrisiert von diesem großartigen neuen Ensemble. Dass die Crystal-Silence-Musiker auch den Humor in der Musik schätzen, bewiesen sie mit der märchenhaften und zugleich witzigen Gestaltung des schwedischen Traditionals "Trollmors vaggsang". Das Liedchen erzählt von einer Trollmutter, welche die Schwänzchen ihrer Kleinen zusammenbindet und sie so in den Schlaf singt. Mit drei Liedern aus dem preisgekrönten Film "Les Choristes" von Bruno Coulais endete der erste Programmteil. Dabei sorgte der Knabensopran Levin Rieber von den Freiburger Domsingknaben mit seinem hervorragenden solistischen Beitrag für atemlose Aufmerksamkeit, besonders bei dem gefühlvollen Vortrag "La Nuit".

Nach der Pause ging es weiter mit Chick Coreas Jazz-Hit "Fiesta", und zwar in voller Bigband-Besetzung, denn nun stießen auch das preisgekrönte Trompetentrio der Städtischen Musikschule und der Posaunist Alexander Hodapp sowie der Schlagzeuger Nikolaus Steinhagen und der E-Gitarrist Torsten Jung noch zu dem Ensemble. Die rasanten Soloeinlagen der Instrumentalisten wurden mit lautem Zwischenbeifall belohnt. In einem weiteren Chick-Corea-Zyklus präsentierten der Chor, das Crystal-Silence-Quartett und die Gastmusiker drei Kompositionen des berühmten Jazzmusikers, die in dem Höhepunkt "Spain" gipfelten. Gemeinsam mit Sängerin Christine Deerley zog das stattliche Ensemble eine wahrhaft fulminante Show ab.

Ein reizvolles A-cappella-Intermezzo des Kammerchores war die Darbietung von Uli Führes Komposition "Die Nacht der Nächte" nach dem Gedicht von Robert Gernhardt. Und der alte Schlager "Morgens bin ich immer müde" aus dem Film "Conny und Peter machen Musik" erhielt durch das spritzig-witzige Vokalsolo von Angela Spensberger Highlight-Qualität.

Zum Thema Nacht passte auch perfekt der Song "Tonight" aus Leonard Bernsteins "West Side Story", wobei Chor und Instrumentalisten erneut zur Hochform aufliefen. Das furiose Finale mit dem Bee-Gees-Erfolg "Night Fever" begeisterte die Hörer derart, dass es gleich noch einmal als Zugabe erklang.

Wohl selten ist in einem Konzert das Thema "Nacht" mit einer weit angelegten Reise durch Epochen und Genres so großartig präsentiert worden. Gesamtleiter Albrecht Haaf, der erst kürzlich aus seinem Amt als Leiter der Städtischen Musikschule verabschiedet wurde, hält das Publikum mit seinem musikalischen Genie weiterhin in Atem.